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Field Notes 2.—Latène: Gefäße als Ausgangspunkt

Rekonstruktion · Formstudie · Zeitgenössische Gebrauchskeramik

Bevor ein historisches Gefäß zur Inspirationsquelle werden kann, muss man es genau betrachten.

Für diese Studie habe ich mit keramischen Gefäßen aus der Latènezeit gearbeitet und eine Reihe von Rekonstruktionen angefertigt. Dabei ging es mir nicht darum, historische Keramik möglichst exakt zu reproduzieren, sondern mich diesen Formen mit meinen eigenen Händen, Materialien und meiner eigenen Arbeitsweise anzunähern.

Beim Arbeiten mit den Formen werden Details sichtbar, die in einer Abbildung leicht verloren gehen: das Verhältnis zwischen Körper und Hals, die Spannung eines Randes, die Art, wie sich ein Gefäß zu seinem Boden hin verjüngt, oder wie eine kleine Veränderung der Proportion die gesamte Silhouette verändert.

Das Gefäß wird zu mehr als einer Form. Es wird zu etwas, das von Hand gefertigt, durch sein Material geprägt und für den Gebrauch geschaffen wurde.

Form als Spur der Vergangenheit

Die rekonstruierten Gefäße untersuchen verschiedene Variationen gerundeter Körper, verengter Hälse, betonter Ränder, horizontaler Rippen und feiner vertikaler Markierungen.

Was mich dabei besonders interessiert, ist das Gleichgewicht zwischen Einfachheit und Detail.

Auf den ersten Blick wirken diese Gefäße zurückhaltend. Ihr Charakter liegt in kleinen Veränderungen: einem etwas kräftigeren Rand, einer anderen Rundung des Körpers, einer schmaleren Öffnung oder einer einzelnen eingeritzten Linie.

Diese Qualitäten möchte ich in meine eigene keramische Praxis übertragen.

Vom historischen Gefäß zum zeitgenössischen Objekt

Für mich ist die Rekonstruktion nicht das eigentliche Ziel. Sie ist ein Werkzeug zum Verstehen.

Durch das Nachbauen einer historischen Form kann ich herausfinden, welche Eigenschaften mich tatsächlich interessieren. Erst danach beginnt der Prozess der Übersetzung.

Was soll erhalten bleiben?

Was darf sich verändern?

Und ab welchem Punkt wird aus einer Rekonstruktion etwas Neues?

Statt historische Formen als Dekoration zu verwenden, interessiert mich die Übersetzung ihrer zugrunde liegenden Prinzipien in zeitgenössische Gebrauchskeramik: Proportion, Rhythmus, Profil, Linie und das Verhältnis zwischen Oberfläche und Form.

Ein zeitgenössisches Gefäß kann so Spuren einer historischen Bildsprache in sich tragen, ohne zu einer Replik zu werden.

Die Linie als Verbindung

Besonders interessant sind für mich die linearen Markierungen.

Die vertikalen Ritzungen auf den rekonstruierten Gefäßen sind einfach, verändern jedoch die Wahrnehmung des Körpers. Sie betonen seine Wölbung, erzeugen einen Rhythmus auf der Oberfläche und machen die Bewegung des Gefäßes stärker sichtbar.

Das möchte ich weiter untersuchen.

Eine gerade Linie kann zu einer Kurve werden.
Eine Rille kann zum Ornament werden.
Ein historisches Motiv kann zu einer neuen Oberfläche werden.

So entsteht eine kontinuierliche Verbindung zwischen Recherche und Herstellung:

Artefakt → Rekonstruktion → Beobachtung → Abstraktion → neues Gefäß

Hier wird historische Keramik für mich bedeutungsvoll. Nicht als etwas, das unverändert reproduziert werden muss, sondern als Wissenskörper, der untersucht, transformiert und weitergetragen werden kann.

Was bleibt?

Letztlich werfen diese Rekonstruktionen eine einfache Frage auf:

Wie viel Vergangenheit kann in einem zeitgenössischen Gebrauchsobjekt sichtbar bleiben, ohne es aus der Gegenwart herauszulösen?

Meine nächsten Arbeiten werden keine Kopien dieser Gefäße sein. Stattdessen möchte ich einzelne Elemente aus den Rekonstruktionen herausgreifen und weiterentwickeln – die kompakten Proportionen, ausgeprägten Ränder, rhythmischen Linien und die organische Bewegung der Oberflächen.

Die Rekonstruktion ist daher nicht das fertige Objekt.

Sie ist die Spur, aus der etwas Neues entsteht.


Studie / Latène

Rekonstruktionen als Teil einer fortlaufenden Auseinandersetzung mit historischen Formen, Materialien und Techniken und ihren Möglichkeiten innerhalb der zeitgenössischen keramischen Praxis.

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