Field Notes 8 — Was bleibt von den Frauen?
Die Dinge, die Frauen hinterlassen.
Wenn ich an die Frauen meiner Familie denke, denke ich oft an Dinge.
Nicht an besonders wertvolle Dinge.
An Stoffe.
An Geschirr.
An alte Möbel.
An Rezepte, die niemand aufgeschrieben hat, weil man sie ohnehin wusste.
An Küchen, in denen immer jemand gearbeitet hat.
Es sind Dinge, an denen man leicht vorbeisieht.
Vielleicht gerade deshalb.
Frauen hinterlassen selten nur das, was offiziell gesammelt wird. Kein Denkmal für die unzähligen Mahlzeiten, die gekocht wurden. Kein Archiv für die Wäsche, die gewaschen wurde. Keine Sammlung für all die kleinen Handgriffe, mit denen ein Haushalt und eine Familie über Jahre zusammengehalten wurden.
Und trotzdem sind sie da.
In den Dingen.
Während meiner Recherche bin ich auf Louise Bourgeois und ihre Spinnen gestoßen.
Die Spinne wurde bei ihr zu einem Bild für die Mutter: für Fürsorge, Schutz, Arbeit und das Herstellen eines sicheren Ortes. Eine Spinne baut, repariert und hält ihr Netz immer wieder zusammen.
Ich musste dabei an die Frauen denken, die ich kenne.
An all die Dinge, die sie gemacht, repariert, aufgehoben und weitergegeben haben.
Vielleicht ist genau das eine Form von Vermächtnis, über die wir viel zu selten sprechen.
Nicht das große, sichtbare Vermächtnis.
Sondern das, was sich in unseren Händen fortsetzt.
Eine bestimmte Art zu kochen.
Ein Stoff, den man aufhebt.
Ein Rezept, das man aus dem Kopf kennt.
Ein Gegenstand, dessen Geschichte man vielleicht gar nicht mehr vollständig kennt.
Ich frage mich deshalb immer öfter:
Wie viel von einem Menschen kann in einem Gegenstand bleiben?
Wie viele Hände hat ein Teller gesehen?
Wie viele Geschichten kennt ein Tisch?
Und wie viel von den Frauen vor uns tragen wir weiter, ohne es überhaupt zu bemerken?
Vielleicht sind diese Dinge eine andere Form von Archiv.
Eines, das nicht nach Jahreszahlen geordnet ist.
Sondern nach Gebrauch, Berührung und Erinnerung.
Vielleicht hinterlassen Frauen Geschichte nicht immer als große Geschichte.
Manchmal bleibt sie einfach auf einem Tisch stehen.
